Vom vierzehnten bis einschließlich sechszehnten Juli 2026 – in der Woche vor den Sommerferien – setzten sich die Schülerinnen und Schüler des beruflichen Gymnasiums am BKT Lüdenscheid unter der Leitung von Sandra Schmidt und Jessica Hager-Poetsch intensiv mit den Schicksalen jener Menschen auseinander, die während der Zeit des Nationalsozialismus zur Zwangsarbeit in der Industrie verpflichtet wurden.

Das Ziel des Projekts lag darin, historische Bildung, Erinnerungskultur und wissenschaftliches Arbeiten miteinander zu verbinden. Dabei befassten sich die beiden Klassen der GOST51 und GOST41mit Zeitzeugenberichten als historische Quellen und untersuchten die enge Verflechtung von Industriegeschichte mit den Erfahrungen verschiedener Opfergruppen nationalsozialistischer Zwangsarbeit – sowohl auf überregionaler Ebene als auch mit Blick auf die lokale Geschichte Lüdenscheids.

Die Projekttage führten die Teilnehmenden an verschiedene Lernorte. Im Seminargebäude des BKT sowie bei einem Gang zu naheliegenden Stolpersteinen beschäftigten sie sich mit individuellen Lebensgeschichten von Opfern des NS-Regimes und deren Bedeutung für die heutige Erinnerungskultur. Fachlich begleitet wurde dieser Teil des Projekts von Benedikt Müller aus dem Geschichtsmuseum Lüdenscheid, der die lokale Perspektive einbrachte und den Zugang zu regionalen Quellen und Zeitzeugenberichten unterstützte.

Ein besonderer Projektpunkt lag in einem Exkursionstag zur Zeche Zollverein in Essen. Dort besuchten die Schülerinnen und Schüler die Sonderausstellungen „Unter Tage – Unter Zwang“ sowie „Holovoices“. Die eindrucksvollen Ausstellungen machten historische Ereignisse anhand persönlicher Schicksale, Fotografien wie auch vieler Zitate greifbar und ermöglichten einen bewegenden Einblick in die Lebensrealitäten der Betroffenen. Im Rahmen einer interaktiven Führung konnten die Jugendlichen zudem einer Holocaust-Überlebenden in Form eines Hologramms Fragen stellen und so Geschichte auf eine innovative und zugleich sehr persönliche Weise erleben.

Anschließend verarbeitete die Schülerschaft die gewonnenen Eindrücke in kreativen Projektarbeiten. Je nach individuellem Interesse konnte zwischen Erzählungen, Collagen, Podcasts, Social-Media-Posts oder filmischen Formaten wie einer Netflix-Vorschau gewählt werden. Auf diese Weise wurden historische Erkenntnisse mit modernen Ausdrucks- wie Dokumentationsformen verbunden und persönliche Zugänge zur Vergangenheit eröffnet.

Die Projekttage formen als Pilotprojekt Teile einer engen Verzahnung von Schule mit außerschulischen Lernorten. Sie zeigen, wie politische Bildung und Erinnerungskultur gemeinsam gestaltet werden können. Ein besonderer Dank für die Begleitung in der Auseinandersetzung mit lokalen Zeitzeugenberichten gilt Benedikt Müller vom Geschichtsmuseum in Lüdenscheid sowie den Mitgliedern des Zweitzeugen e.V. für die Führung in der Zeche Zollverein. Eine Präsentation bzw. Ausstellung der Schülerprojekte ist für September geplant.