Airport Köln / Bonn

Zu später Stunde zeigt der Flughafen Köln/Bonn sein zweites Gesicht: 39 Frachtmaschinen aus Europa, Asien und Nordamerika laden dann ihre eilige Fracht ins europäische Luftdrehkreuz von UPS aus mit dabei die Schüler des beruflichen Gymnasiums mit dem Schwerpunkt Informatik und Maschinenbau vom BKT Lüdenscheid.

Damit die Wege auf den 40 Kilometern Laufband nicht zu lang werden, winden sich stets zwei Anlagen in beiden Richtungen durch die Hallen. Computer ermitteln für jede Sendung die optimale Richtung. 19 Meter unter den Füßen der Schüler lässt eine der Förderschalen jetzt wie von Geisterhand ihre Fracht über eine Rutsche in einen durchsichtigen Transportsack gleiten. „Melbourne, Australia“ steht auf dem Etikett über dem Sack, dessen Inhalt hier zu einem Frachtstück für Übersee konfektioniert wird.

Boeing 747 500xUm 0.30 Uhr sind fast alle Standplätze auf dem Vorfeld belegt und die angehenden Abiturienten stauen über diese einzigartige Logistik. Aus London, Dublin und Madrid, aus Rom, Kopenhagen und Istanbul, aber auch aus Newark in den USA oder Shenzan und Shanghai (China) sind insgesamt 39 Frachtmaschinen gelandet, um ihre eilige Fracht zu teilen und neue aufzunehmen.

Um 21.00 Uhr ist von all dem noch wenig zu sehen und die Schüler stärken sich noch vorher bei einer großen Fast-Food-Kette. Um 23.00 Uhr geht es vom ausgestorbenen Terminal 1 hinüber zum Frachtbereich des Flughafens. Der erwacht erst jetzt zum Leben. 3000 Menschen beschäftigt das größte Cargo-Unternehmen UPS am Standort Köln/Bonn. Gearbeitet wird nur nachts zwischen 23 Uhr und 3 Uhr früh.

Nur eine Viertelstunde soll ein Brief oder Paket in der Anlage verbringen. 1,9 Meter in der Sekunde sind dafür das Zeitmaß des Welthandels. Mit diesem Tempo befördern die Bänder jede Sendung vom Wertbrief bis zum 70-Kilo-Paket durch die Anlage.

Gesteuert wird das System im obersten Stock aus dem Kontrollraum, der auch einer Mondmission würdig wäre. Zwei Dutzend Mitarbeiter sitzen dort vor ihren Monitoren, kalkulieren Flugrouten und Transportmengen. Scanner machen die Fracht für die Logistiker transparent. Nur wenige Sendungen müssen ausgeschleust werden, wenn etwa Zollinformationen nicht vollständig sind oder die Zollbeamten im hauseigenen Zollbereich mit ihren Spürhunden einen Blick darauf werfen wollen.

Der Rest landet im Bauch eines der wartenden Flugzeuge. Die Boeing 747-400 aus Shenzan ist um 1.30 Uhr noch komplett leer. Wegen der Zeitverschiebung habe man keine Eile. Im Frachtraum können Mitarbeiter die Container per Joystick über ein System von Rollen und Sicherungen an die richtige Stelle bugsieren. Erst wenn alles bereit ist, kommt die drei- oder vierköpfige Crew aus der eigenen Lounge, um den Flieger zu übernehmen. Mit dem Abflug der Maschine in den Fernen Osten kehrt dann wieder Ruhe ein im Cargo-Bereich von Köln/Bonn ein.

Text: GOST 71 Kurssprecher: S. Detering / Klassenlehrer: M. Kretschmer

Foto:  J. Schäfer (mit Rechten durch UPS Germany)

Bild 1: Die komplett leere Boeing 747 aus Shenzan um 1.30 Uhr

Bild 2: Schüler des beruflichen Gymnasiums zu Gast bei UPS Germany