Das Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid stellt sich in seinen Leitperspektiven das Ziel eine Schule zu sein, in der Schülerinnen und Schüler zeitgemäß lernen, weil die Vermittlung digitaler Kompetenzen und die Nutzung moderner Medien eine Aufgabe aller Fächer und aller Lehrkräfte ist. Die Vermittlung digitaler Schlüsselkompetenzen ist heute mehr als gestern pandemiebedingt Bestandteil aller Fächer und soll die Lernenden für selbstbestimmtes und eigenverantwortliches Handeln in der digital vernetzten Welt jetzt und in der Zukunft vorbereiten.

 

Hierzu startete im Schuljahr 2020/21 der NRW-Schulversuch Fachoberschule Informatik (FOS IT) und wurde zum August 2020 als Schulversuch des Landes Nordrhein-Westfalen im Bezirk Arnsberg am Robert-Bosch-Berufskolleg Dortmund und am Berufskolleg für Technik in Lüdenscheid implementiert. Ein Antrag auf Förderung eines Auslandsaufenthaltes in Spanien durch Erasmus+ wurde durch die Bezirksregierung Arnsberg gestellt und seitens der EU genehmigt.

Ziel ist Lernende, welche nicht erfolgreich bei ihrer Bewerbung um einen Ausbildungsplatz waren, in der Entwicklung ihrer beruflichen Kompetenz im Bereich der Informatik zu fördern.

Nach erfolgreichem Abschluss des zweijährigen Bildungsganges ist so der direkte Einstieg in das zweite Lehrjahr einer Ausbildung in den neuen IT-Berufen möglich, welche dadurch entsprechend auf zwei Jahre verkürzt werden kann. Zudem ist jederzeit ein Wechsel in eine Ausbildung im IT-Bereich denkbar und wünschenswert, denn es geht vor allem darum, den Jugendlichen den Einstieg in die Berufswelt zu ermöglichen und sie entsprechend zu qualifizieren. Der Bildungsgang FOS IT schließt mit einer staatlichen Fachhochschulreifeprüfung in den Profilfächern (Softwareentwicklung/-engineering oder Datenbanken oder Betriebssysteme/Netzwerke), Mathematik, Deutsch und Englisch ab. Der Erwerb der Fachhochschulreife berechtigt zum Studium an einer Fachhochschule oder an einer Universität in Form eines integrierten Studienganges mit der Studienrichtung Informatik.

Die neu gebildete Klasse in Lüdenscheid verbrachte in ihrem ersten Jahr drei Tage pro Woche in der Praktikumsphase in ihren Betrieben und zwei Tage in der Schule. Darüber hinaus hatten die Lernenden die Möglichkeit im Rahmen eines vierwöchigen Auslandspraktikums am Ende des ersten Schuljahres in Spanien in internationalen Teams an IT-Projekten zu arbeiten. Dort konnten sie nicht nur ihr praktisches Know-How, ihre interkulturelle und fremdsprachliche Kompetenz erweitern, sondern vor allem auch lernen, selbständig bei der Entwicklung von innovativen Kleinprojekten zu agieren.

Aktuell arbeiten die Lernenden an einer Android-App für eine Sprachschule in Madrid und erstellen in Absprache mit den Auftraggebern ein Konzept für die Informationsseiten dieser Sprachschule, bei der Kursangebote, Prüfungstermine und Kontaktformulare integriert werden sollen.

Aufgrund der Corona-Pandemie konnten zu Beginn des Schuljahres die für Juni 2021 geplanten Auslandsmobilitäten für die Lernenden im Bildungsgang FOS IT auf absehbare Zeit leider nicht in Präsenzform umgesetzt werden. Die Planungen wurden daher um die Option eines virtuellen Auslandspraktikums, dessen Umsetzung vollständig auf digitaler Basis stattfinden musste, erweitert und so auch umgesetzt. Neben den beruflich-fachlichen Aspekten des Projekts, welche zum Beispiel besonders in online Team-Meetings von den Lernenden selbst kommuniziert und gelöst werden mussten, wurden auch interkulturelle und fremdsprachliche Aspekte in das virtuelle Auslandspraktikums-„Paket“ für die Lernenden gepackt. So fand zum Beispiel eine virtuelle Stadtführung in Madrid, die Teilnahme an einem online-„Escape-Room“ mit der Thematik des Gastlandes und selbstverständlich privater persönlicher Austausch mittels der digitalen Plattformen statt. Somit wurde der Pandemie zum Trotz die Möglichkeit für die Lernenden geschaffen, ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Hierbei sei an dieser Stelle den vielen Projektteilnehmern, Lernenden wie auch Lehrenden, für ihr hohes Engagement zum erfolgreichen Gelingen des Auslandspraktikums gedankt.

Das virtuelle Auslandspraktikum fand vom 31.05.2021 bis zum 25.06.2021 statt und umfasste:

  • ein virtuelles Betriebspraktikum im Berufsfeld IT mit jeweils 40 Wochenstunden mit der Konzeption und Realisierung einer Android-App in Zweier-Teams für die Sprachschule Vamos in Madrid,
  • ein virtuelles Sprach- und Kulturprogramm incl. Mentoring,
  • eine abschließende Zertifikatsprüfung der Deutschen Handelskammer für Spanien (AHK/Auslandshandelskammer) mit Sitz in Madrid,
  • die Zusatzqualifikation „Internationale berufliche Mobilität“ und
  • den Europass aus dem Erasmus+-Programm zur Dokumentation der internationalen Erfahrung.

Insgesamt nahmen 7 Schülerteams aus dem Regierungsbezirk Arnsberg an dem virtuellen Auslandspraktikum teil. Im Rahmen einer virtuellen Abschlussveranstaltung des Auslandpraktikums am Donnerstag, den 01.07.2021 wurden die besten Apps von einer Jury ausgezeichnet. Das Schülerteam des BKT-Lüdenscheid belegte hierbei einen hervorragenden zweiten Platz.

Im Gespräch mit den Teilnehmern wurde besonders ein Gedanke oft ausgesprochen: trotz digitaler Lösungsmöglichkeiten ist die Arbeit am Kunden oder die Diskussion im Team eine menschliche Stärke, welche sich am besten im realen Leben entfalten lässt. Sensibilität, Einfühlsamkeit und Spontanität sind zwischenmenschlich immer ein zündender „Funke“, die digital-technisch zwar mit Lichtgeschwindigkeit übertragen werden, aber nicht immer durch die räumliche Distanz richtig aufgefasst werden.

 

Author 1: Dr. H. Schäfer-Eberwein, EU-Beauftragter , BKT-Lüdenscheid

 

Author 2 OStR M. Boada, Bildungsgangmanager FOS IT, BKT-Lüdenscheid